Wurmkompost

Wurmkompost – mit geringen Mengen gute Ergebnisse erzielen, wie ist das möglich?

Eine Unterfußdüngung aus Wurmkompost beim Umsetzen der Jungpflanzen in das Gartenbeet ermöglicht es den Pflanzen, durch die unterstützende Mikrobiologie aus dem Wurmkompost ihr Potential voll auszuschöpfen und zu entfalten. Es entsteht mehr Blattmasse für Photosynthese sowie mehr Wurzelmasse zur Nährstoffmobilisierung in der späteren Wachstumsphase. Die Nährstoffe aus dem Boden und dem Mulch werden besser genutzt. Unterfußdüngung und Blattdüngung aus Wurmkompost und dessen Extrakt sind die ideale Starthilfe für unsere Gemüsejungpflanzen.

Wie Prof. Marcel Bucher berichtet(1), hat die Interaktion der Mikrobiologie mit der Pflanzenwurzel eine große Auswirkung auf die pflanzliche Produktivität. Mikroben sind in der Lage die Architektur der Wurzel so zu verändern, dass mehr Nährstoffe aufgenommen werden können. Ein Ziel der Forschung von Prof. Bucher ist es, eine Beschichtung des Saatgutes mit der optimalen Mikrobengemeinschaft zu finden. Damit wird den Pflanzen schon bei der Aussaat eine Mikrobenvielfalt zur Verfügung gestellt, die sie für ein beschleunigtes Wachstum nutzen können.

Schlussfolgerung für die praktische Anwendung: Das Futter des Wurmkomposts entscheidet über die Inhaltstoffe des Extraktes. Wurmkompost und Holzkohle erfüllen dabei ihren Zweck als „Mikrobenhaus“. Dies erklärt auch, warum mit geringen Mengen oft deutliche Verbesserungen festzustellen sind, die sich allein aus den im Wurmkompost enthaltenen Nährstoffmengen nicht erklären lassen. Mit Holzkohle werden zudem weitere Funktionen mit in den Wurmkompost gebracht. Mikropartikel aus der Holzkohle werden beim Ausbringen auf den Pflanzen verteilt und können dort ihre schützende und heilende Wirkung entfalten. Außerdem verhindert Holzkohle im Wurmkompost ab einem Vol.-Anteil von ca. 10% die Auswaschung von N (Stickstoff) in das Grundwasser und damit auch den Verlust wertvoller Pflanzennährstoffe.

Herstellung des Wurmkompost-Extrakts

Zur Herstellung benötigt man:
Einen Trichter, ein Nudelsieb, einen Behälter (Hierfür kann man z.B. einen 5l-Wasserbehälter von destilliertem Wasser wiederverwenden. An diesem hat man gleich einen praktischen Ausgießer mit dabei), idealerweise Regenwasser (unbedingt chlorfreies Wasser!).

Die Gerätschaften werden wie auf der Abbildung dargestellt aufgebaut.

Nun kann man mit dem Ausschwämmen der wertvollen Inhaltstoffe aus dem Wurmkompost beginnen. Dies funktioniert ähnlich der Zubereitung von Filterkaffee. Zur Beimpfung von bis zu 500 l Gieß- und Spritzwasser reicht bereits eine Menge von ca. 0,5 l Wurmkompost. Dieser wird in das Sieb gegeben und mit dem Regenwasser übergossen.

Das so gewonnene Extrakt kann sofort angewendet werden und ist ca. 24 Stunden lagerfähig. Soll die Konzentration der Wirkstoffe und Mikroben im Extrakt erhöht werden, können Sie das Extrakt auch mehrmals durch das Sieb mit dem Wurmkompost laufen lassen.
Der Extraktionsansatz (= Wurmkompost im Sieb) kann solange weiterverwendet, also mit Wasser übergossen werden, bis man eine deutlich geringere Verfärbung des Extraktes feststellt.
Um das gewonnene Wurmkompostextrakt zum Spritzen der Pflanzen zu verwenden, lässt man es ca. eine Stunde lang absetzen und filtert es beim Einfüllen in die Pflanzenspritze nochmals (z.B. durch einen ausgemusterten Feinstrumpf).

Anwendung

Das Wurmkompostextrakt kann auf verschiedene Art eingesetzt werden:
Pflanzenstärkend wird es durch Gießen, das heißt Ausbringung auf den Boden mit der Gießkanne, verwendet. Dabei ist eine weitere Verdünnung 1:10 möglich. In der Jugendentwicklung werden die Pflanzen einmal wöchentlich mit dem Extrakt gegossen.
Zur Blattdüngung bzw. für pflanzenheilende Wirkung wird es ohne weitere Verdünnung mit der Pflanzenspritze direkt auf die Blätter gesprüht. Dazu nutzt man die Abendstunden oder bewölkte Tage, da die im Extrakt befindlichen Mikroben UV-lichtempfindlich sind. Auch hier hat sich die einmal wöchentliche Ausbringung des Extraktes auf die Pflanzen bewährt. Bei erkrankten Pflanzen kann dieser Rhythmus auf bis zu zweimal tägliches Spritzen verkürzt werden. Wird mit Holzkohle angereicherter / gefütterter Wurmkompost zur Gewinnung des Extraktes verwendet, werden mikroaktivierte Holzkohlepartikel auf der Blattoberfläche verteilt und können durch die enthaltenen Spurenelemente und mikrobiologischen Bestandteile zur Heilung der Pflanzen beitragen (eigene Beobachtungen / Erfahrungswerte). Dieses Phänomen konnte ich bisher am deutlichsten bei Kohlpflanzen beobachten.

Wurmkompost – das beste Werkzeug, das uns die Natur schenkt!

Nicht nur für den privaten Garten, auch für den professionellen Pflanzenbau ist Wurmkompost und das daraus gewonnene Wurmkompost-Extrakt von zunehmender Bedeutung. Das Funktionsprinzip ist überall gleich.

Gutes Gelingen und allzeit gesunde Pflanzen
wünscht Ihnen

Hans Söhl
h.soehl@soehlmetall.de

Quelle: (1) Newsletter Pflanzenforschung (Nr. 10/2019), www.Pflanzenforschung.de

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