Terra Preta Nova Beet anlegen

 

 

 

 

Aufbau eines Terra Preta Beet´s  ohne Bodenbearbeitung

 

 

 

Meine Motivation

In früheren Zeiten wurde in meiner Heimat, dem Erdinger Moos – heute Großflughafen München und tote Betonpiste, Kartoffeln, Kraut ,Karotten usw. angebaut und dies ohne chemischen Totschlag. Diesen ursprünglichen Zustand wieder zu erreichen ist eines der Ziele meiner Arbeit. Wir müssen unsere Lebensmittel ohne chemische Gifte oder Hilfsstoffe erzeugen. Dazu muss man die Natur in Ihrem Ursprung arbeiten lassen. Maximale Erträge ohne Chemie, sondern nur mit der Natur zu erreichten, ist unsere Herausforderung. Es soll auch ein Weg beschrieben werden der eine breite und natürliche Ansiedelung der Mikroorganismen in Verbindung mit dem Humusaufbau ermöglicht. Als vielbeschäftigter Mensch möchte ich meinen Garten mit minimalem Zeitaufwand bewirtschaften, um so zu zeigen, dass Ausreden wie „würde ich auch machen, hab aber keine Zeit so wie Du“, nicht bestehen bleiben können. Auch unser Selbstversorgungsgrad kann so wesentlich gesteigert werden. Die vielen ungenutzten Siedlungsgärten könnten zu einem Ökosystem vernetzt werden, was zu einer gesteigerten biologischen Vielfalt führen wird. 

Es reizt mich auch, das bisher theoretisch erdachte und gelesene, praktisch umzusetzen.

 

Mit Worten und guten Vorsätzen pflanzt man keinen Baum sondern nur mit Schaufel und Spaten!

Was bewirkt der Verzicht auf Bodenbearbeitung

Bei der Konventionellen Bodenbearbeitung wird der Acker oder Garten tief gepflügt oder umgegraben. In dieser Zeit kann der Naturgärtner noch ruhen. Nach dem Pflügen oder Umgraben wird der Boden weich und luftig, so das man meinen könnte, ideale Voraussetzungen für das Pflanzenwachstum geschaffen zu haben.Aber was geschieht wirklich? Bei einer intensiven Bodenbearbeitung wird der Bodenaufbau mit seinen einzelnen Schichten zerstört um muss anschließend diese einzelnen Schichten wieder neu ausbilden. Bei Regenfällen wird der Boden dann hart und undurchlässig. Zuerst erfolgt ein schnelles Wurzelwachstum im lockeren Bereich, jedoch unter der Pflugtiefe ein gehemmtes Wachstum durch den verfestigten Unterboden. Allein dieser Vorgang bringt schon die erste Verzögerung im Wachstum bei der herkömmlichen Arbeitsweise! Unbearbeitete Bodenschichten dagegen haben einen strukturierten Aufbau der die Pflanzen von der Keimung an mit der benötigten Energie, je nach Wachstum und Wurzeltiefe, versorgt.

 

Kennzeichnend für den Naturgartenboden ist:
  • viele organische Stoffen
  • hoher  Sauerstoffgehalt
  • wasserdurchlässig
  • reich an Mikroorganismen
  • vielfältiges Bodenleben

Im Naturgarten wird nicht gepflügt oder Umgegraben, sondern die Lockerung des Bodens, die Belüftung und das Bereitstellen der Nährstoffe den Bodenleben überlassen.Durch diese Bodenbewohner wird der Boden aufgebläht und erhält eine schwammartige Struktur. Unserer Aufgabe als Naturgärtner ist es, dieses Bodenleben zu füttern, zu vermehren und ihm eine Wohnung bereitzustellen. Der Rest kommt dann von ganz alleine.  Mit einer einfachen Prüfung kann man den Erfolg ganz deutlich feststellen. Sie müssen nur einen Eisenstab in konventionell bearbeiteten Boden stechen und im Vergleich dazu in den Naturgartenboden, Sie werden staunen.  

 

 

Terra Preta Beet? 

Die Voraussetzung ist organisches Material das durch Fermentation und anschliesender Vererdung, die Nährstoffe liefert und die Mikroorganismen für die Pflanzenernährung  sicherstellt. Wie kann man das erreichen?

 -         Bodenbedeckung mit Mulch

-         hoher Holzkohleanteil in der Mulchmischung (min. 20 %Vol)

-         vorfermentiertes und teilverrottetes organisches Material als Mulch

-         keine Bodenbearbeitung

-         Steinmehl als Mineralienquelle

-         Terra Preta Substrat ausbringen 

 

Terra Preta Substrat herstellen

 

 

 

 

Für den Naturgärtner oder Naturlandwirt ist es jederzeit möglich ein Terra Preta ähnliches Substrat selbst herzustellen. Die benötigten Gerätschaften, Materialien und Zuschlagstoffe können in der Regel über den örtlichen Landhandel bezogen werden.  Wichtigste Grundvoraussetzung ist eine Fermentation der Biomasse oder deren Kompostierung, was zur biologischen Belebung der Holzkohle führt. Holzkohle ohne vorherige biologische Belebung ist wirkungslos und führt evtl. sogar zu Wachstumshemmungen. Holzkohle wirkt antibakteriell und hygienisiert. Trockene und leere Holzkohle entzieht dem Boden durch ihre enorme Adsorptionskraft die Feuchtigkeit und saugt in ihrer unmittelbaren Umgebung alle Nährstoffe auf, die zuerst festgehalten werden und erst nach einer längeren Zeit wieder abgegeben werden können. Wird Holzkohle ohne Vorbehandlung ausgebracht, leiden die Pflanzen evtl. unter Nährstoffmangel. Eine Förderung des Bodenlebens und der Leistungssteigerung unserer Böden ist erst mit biologisch aktiver Holzkohle möglich. 

  

Biologisch aktivieren heißt, die Holzkohle:  

 -         mit Wasser tränken und mit Nährstoffen aufladen

-         mit Mikroorganismen besiedeln wodurch Nährstoffe leichter pflanzenverfügbar werden

-         mit Luftsauerstoff und Wasser durch Oxidation* altern um die KAK zu maximieren

* Eine Oxidation der Holzkohle erreicht man am einfachsten bei einer Lagerung der Holzkohle im Freien durch die natürliche Beregnung.

 

 

Um bei der Herstellung von Terra Preta zu einem guten Ergebnis zu kommen ist eine vollständige Vererdung der organischen Bestandteile notwendig. Bei meinen Vorversuchen hab ich folgendes Prinzip angewendet: Die organischen Reststoffe werden in einer Tonne aus Kunststoff mit 200l Volumen mit einer 20% Beimischung von Holzkohle fermentiert.Das fermentierte Material wird anschließend in einer Mietenform aufgesetzt und mit Stroh oder Gras abgedeckt und so vor Regen geschützt, aber Luftzutritt gewährleistet. Mit jeder fertig fermentierter Tonne Bokashi wird eine weitere Schicht aufgetragen, die max, 10cm dick ist.Der Wurm arbeitet gerne direkt unter der Oberfläche und setzt somit immer die oberste Schicht in Wurmhumus um.Dieser Aufbau stellt für die Regen- und Kompostwürmer einen optimalen Aufbau dar.  

 

 

 Aber nun genug der Theorie, wenden wir uns der Praxis zu.

 

 

Naturgärtnern in der Praxis

 

 

Der Urzustand des Gartens war eine Wiese im Gewerbegebiet mit einer dünnen Humusschicht Mit dieser Voraussetzung wurde dann im Feb. 2010 das Vorhaben, ein Terra Preta Beet anzulegen und ohne Bodenbearbeitung zu bewirtschaften, begonnen.Nach dem Vorbild einer 90 jährigen Amerikanerin, die diese Methode zum Anbau von Kartoffeln beschrieben hat, wird der Garten mit so wenig Arbeitsaufwand wie möglich bearbeitet. Im Feb. 2010 hatte ich die Wiese mit einer ca. 15cm bis 20cm Strohschicht bedeckt. Der Boden wurde in keiner weise bearbeitet, sondern nur das Stroh auf der Wiese verteilt. Ende April sind dann die Kartoffel gelegt worden. Dazu hab ich das Stroh mit einem Holzrechen aufgehoben und die Kartoffel darunter gelegt. Einige Zeit später haben die Kartoffeln aus dem Stroh rausgespitzt. Es ist so gut wie kein Gras durchgewachsen. Im Boden waren vor dem Auslegen des Strohs sehr wenige Regenwürmer vorhanden.

Stand 2010

 

 

Im Laufe des Jahres 2010 wurde Pferdemist mit großem Strohanteil, zur Fermentation und anschließender Vererdung vorbereitet.

 

 

Im Herbst habe ich damit begonnen das Terra Preta Beet nach meinen bisherigen Erfahrungen aufzubauen. Die Zeit, die zur Vererdung des fermentierten organischen Materials zur Verfügung stand, war jedoch zu kurz, um eine vollständige Umsetzung zu erreichen. So konnte nur teilvererdetes Material im Frühjahr 2011, als Grundlage auf die Beete ausgebracht werden. Die vollständige Umsetzung musste nun direkt auf den Beeten erfolgen. Diese Umsetzung des Mulchmaterials ist ein natürlicher Vorgang, bei dem ein entsprechender Zeitbedarf eingeplant werden sollte. Die Regenwürmer, die sich durch das Mulchen mit Stroh, schon stark vermehrt hatten, leisten ganze Arbeit.An der Anzahl der Regenwürmer und sonstiger Bodenbewohner, ist die Aktivierung des Bodenlebens, deutlich sichtbar geworden.

 

  

Terra Preta Beet 1

links Stand Frühjahr 2011   rechts Juli 2012

 

    

Terra Preta Beet 2

 

Im Frühjahr 2011 wurde die Strohschicht mit teilverrotteten Pferdemist ergänzt. In dem Pferdemist war auch die Holzkohle enthalten und wurde so mit ausgebracht. Die wenigen durchgewachsenen Beikräuter konnten ohne Probleme aus dem sehr lockeren Boden rausgezogen werden. Da keine Bodenbearbeitung erfolgt, verteilt sich der Holzkohleanteil bis jetzt nur auf die oberen 5 cm der Humusschicht.

Ein Problem ist der Befall mit Wühlmäusen, dem vorzubeugen galt.Um Fraßschäden durch Wühlmäuse zu verhindern, habe ich die Kohlpflanzen zum Teil in Töpfe mit einigen kleinen Löchern im Boden, gesetzt. Die Füllung der Töpfe besteht aus Terra Preta Substrat und Erde.

 

 

 

So sieht das Gemüsefeld aktuell aus. Gießen ist nur ca. 1 Woche nach dem Setzen der Pflänzchen notwendig. Wenn die Pflanzen eingewurzelt sind, versorgt sie die Mulchdecke mit   ausreichender Feuchtigkeit. Allein der Verzicht auf das Gießen ist schon eine enorme Zeitersparnis. 

Die Kohlpflanzen entwickeln sich sehr gut. Sie lieben anscheinend die Mischung in den Töpfen.

 10.06.2011

 

 

 

18.08.2011

 

Das Wachstum der Pflanzen läst das Herz des Naturgärtners schneller schlagen……….

 

 

Nachteile – oder doch ein Vorteil der erprobten natürlichen Anbaumethode

  

Durch die Mulchauflage haben sich auch einige ungeliebte Gartenbewohner eingestellt. Zuerst ist der Wühlmausbefall zu nennen. 

 

 

 

 

Das zweite Problem sind die Schnecken, die aus den umliegenden Grasflächen zuwandern und alles Grünzeug anfressen.  Die dritte, mir Sorgenfalten bereitende Spezies sind die Raupen die an den Kohlpflanzen knabbern. Ich denke, das, das Ungleichgewicht, das durch den Jahrzehnte langen Einsatz aller möglichen und unmöglichen chemischen Mitteln auf den Gartenflächen und in der näheren Umgebung sich die nächste Zeit voll auswirkt  In diesem Ungleichgewicht ist auch der Grund für die explosionsartige einseitige Vermehrung der Nahrungskonkurrenten zu suchen. Ich bin mir jedoch sicher, durch ein geeignetes System, auch die Ernteeinbusen auf ein erträgliches Maß begrenzt werden können.  Dazu werden zuerst einmal die natürlichen Feinde unserer ungeliebten Gartenbewohner ermittelt und mit geeigneten Methoden angesiedelt. Auch mechanische Barrieren wie Schneckenzaun, Fliegennetz  und Töpfe sind ein Weg um die Pflanzen zu schützen.  Aber darüber werd ich ein andermal berichten.      

 

Ja ist es jetzt ein Nachteil oder ein Vorteil der Naturgartenmethode, wenn sich das ursprüngliche Gleichgewicht wieder einstellt?    

 

 

Meine bisherigen Erfahrungen 

Am Anfang habe ich im von meiner Motivation berichtet, max. Erträge ohne Chemie, sondern nur mit der Natur zu erreichten.  Diesen Satz muss ich nach den bisherigen Erfahrungen revidieren und umschreiben. 

 

 

Es stellt sich nicht die Frage ob die Erträge des konventionellen Gartenbaus und Landwirtschaft erreicht werden können sondern nur, um wie viel die Erträge über die der konventionellen Methoden gesteigert werden können!   

 

 

Dies wird sicher kein leichter Weg, ab es wird sich lohnen in zu gehen.     

 

 

Hans Söhl 

 
 

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 29. August 2012 um 09:13 )